Mit flotten und anspruchsvollen Sprüchen hat die Leistungsgemeinschaft Reiten noch nie gegeizt. Von der Stunde Null an vor 20 Jahren bis heute gilt „Wir sind die Größten!". So arrogant sich das anhört, so echt ist es aber. Heute kann sich kaum jemand noch vorstellen, wie es damals zur Zeit der Gründung der LG Reiten in der Berliner Reitlandschaft war. Zwanzig Jahre ist es erst her, doch haben die Ereignisse besonders der letzten Zeit fast alles verdrängt, was seinerzeit gewissermaßen eine „Revolution" im eingemauerten Westberliner Reitsport war. Heute läutet die LG Reiten mit ihrem Turnier die „Grüne Saison" zum 20. Mal ein. War dieses Turnier von Beginn an stadtweit ein Knüller, so hat es heute alle ortsüblichen Dimensionen gesprengt. Die „Eröffnung der Grünen Saison" zählt in der Bundesrepublik zu den interessantesten und vor allem gefragtesten nationalen Turnieren. Einst zwangsläufig lokal begrenzt, heute von allen Olympia-Reitern, ob Dressur oder Springen, gefragt wie nie. Im Laufe der 20 Jahre hat dieses Turnier und mit ihm die Leistungsgemeinschaft Reiten alle Höhen und Tiefen durchlebt. 
Vierkämpfer der LG Reiten mit Betreuer Gerhard Schröder (Mi) und Klaus Dieck (re) Einst konzipiert als Basis-Turnier für die Westberliner Reiter und deren Freunde aus Westdeutschland, entwickelte es sich zu einem nationalen Treffpunkt der Elite-Reiter mit einem Programm, das seine Höhepunkte in S-Springen und Grand-Prix-Dressuren hat. Einst gedacht als Einstieg in die neue Saison für Nachwuchs und fortgeschrittene Reiter, ist es inzwischen vier Tage lang ein Top-Turnier mit Olympiasiegern, Welt-, Europaund Deutschen Meistern sowohl aus den alten als den neuen Bundesländern.
Von einst maximal 24.000 Mark uferte das LG-Turnier bis zu knapp einer halben Million Mark aus. Regional fand die „Eröffnung der Grünen Saison" früher schon auf Anhieb eine außergewöhnlich starke Resonanz. Die Situation gedieh jedoch völlig neu, als die Mauer fiel. Aus dem „Mauerblümchen" - regional gesehen - wurde es zum Mekka von Deutschlands Spitzenreitern. Das dabei das Prinzip der „frühen Jahre", ein Turnier der Basis zu sein, auf der Strecke blieb, liegt auf der Hand. Das Motto der jetzigen Turnier-Macher heißt „Berlin für Deutschland" und umgekehrt. Nur das Beste soll gerade gut genug sein. Über diese divergierenden Prinzipien hat es in der LG Reiten fundamentale Auseinandersetzungen gegeben, die schließlich zu radikalen Vorstandswechseln führten.
In der Reitanlage Pichelsberg, wo 1974 die Gründung der LG Reiten stattfand, wollte man ursprünglich zu Hause sein, die Anlage sogar in Eigenregie führen. Man fand nicht zueinander, und heute sind 141 Mitglieder der Leistungsgemeinschaft Reiten über ganz Berlin und Umgebung verstreut.  Aus alten Zeiten - der Turnierlaster der LG Reiten
Hervorgegangen ist die LG Reiten aus einer Protestbewegung in der Reitanlage Pichelsberg. Der „Verein zur Förderung des Reitsports in Berlin", dem alle Berliner Reitvereine und der Landesverband als Mitglieder angehörten, hatte das Sagen in dieser ehemaligen Ausbildungsstätte des deutschen Heeres. Wegen der unhaltbaren Zustände gründeten viele Pferdebesitzer 1974 die „Interessengemeinschaft der Reit- und Pferdebesitzer in Pichelsberg". Unter diesem Namen wurde der Verein vom Charlottenburger Registeramt nicht zugelassen. Es wurde der Name „Leistungsgemeinschaft Reiten" empfohlen, wenn man kein ExklusivVerein sein wollte und vor allem die Gemeinnützigkeit beanspruchen wollte. Gesagt, getan. Mit anderen Worten, der sportlich viel versprechende Titel „Leistungsgemeinschaft" wurde dem neuen Verein sozusagen von Amts wegen aufgedrückt.  Klaus Dieck - Motor der LG Reiten und des Eröffnungsturniers "Grüne Saison"
Die Mitglieder, vor allem die Gründungsmitglieder, wurden diesem Anspruch voll gerecht. Der zweite Hammer folgte auf dem Fuße. Der Landesverband weigerte sich, die „Leistungsgemeinschaft" in seinen Verband aufzunehmen. Zu diesem Zeitpunkt stand ein Bundesvergleichswettkampf der Jugendlichen in Pichelsberg auf dem Programm des Landesverbandes. Man bekam jedoch nicht ein einziges Pferd zur Verfügung gestellt. Hier griff die LG Reiten zu einem leicht erpresserischen Mittel. „Wir stellen sämtliche Pferde, wenn wir in den Landesverband aufgenommen werden." So kam es denn auch. Schließlich konnte man satzungsgemäß keine Turniere veranstalten oder an solchen teilnehmen, wenn man trotzköpfig ein „wilder" Verein bleiben wollte. Diesen Revoluzzer-Stil hat die LG Reiten jahrelang beibehalten. Und damit auch einiges bewirkt in der Berliner Reiterei. | | Der Vorstand konsolidierte sich ab 1976, als das erste Turnier veranstaltet wurde, mit Karl-Heinz Dietrich, Peter Zappe, Barbara Steinsch, Klaus Dieck und Gerhard Schröder. Neu war bundesweit auch hier, dass diese fünf Vorstandsmitglieder gleichberechtigt waren. Als die LG Reiten zwei Jahre nach ihrer Gründung zum ersten Mal mit einem Turnier an die Öffentlichkeit trat, war es noch in der Reitanlage Pichelsberg. 194 Pferde wurden gemeldet. Ein Jahr darauf waren es schon 305 Pferde mit 736 Nennungen in elf Prüfungen. Dauerregen hatte den Pichelsberger Platz überschwemmt, so dass zeitweilig von den Richtern eine Absage diskutiert wurde. 1978 schon zog die LG Reiten ins Reiterstadion und hatte sofort einen vollen Erfolg. 1979 fühlte man sich schon als „etabliert" und sprach von einem Turnier, wie es die Berliner Reiter lieben. 1980 war das Leistungsniveau so hoch, dass „von Hallenmief nichts zu spüren war". 264 Pferde mit 796 Nennungen wurden gemeldet. Startbeteiligung 63,8 Prozent. Damals war eine hohe Nennungszahl noch wichtig als Geldeinnahme. 1981 sorgte das „Knock-out-Springen" für einigen Wirbel. Die LG Reiten hatte sich dem Prinzip verschworen, auf jedem Turnier etwas Neues zu bringen. Mitunter wurden diese Neuerungen erst in letzter Sekunde von der FN in Warendorf genehmigt. 1982 überstieg die Zahl der Nennungen erstmals bei einem Berliner Turnier die Traumgrenze mit 1170.
In den Jahren danach spaltete sich der Vorstand der LG Reiten. Da eine stimmige Harmonie zwischen dem damaligen Pächter und einigen LG-Mitgliedern in Pichelsberg nicht zustande kam, zog ein Teil der Mitglieder, vor allem die Jugendgruppe um Klaus Dieck (Sportwart), aus und in die Reitanlage Hafemeister nach Spandau. Karl-Heinz Dietrich und Peter Zappe traten zurück. Gerhard Schröder und Barbara Steinsch waren schon vorher aus dem Vorstand ausgeschieden, da sie nach Westdeutschland verzogen.
In der LG Reiten hatte Barbara Steinsch seit Jahren eine auf der unteren Basis sehr erfolgreiche „Aktive Reitgruppe" mit eigenen Vereinspferden organisiert. Nichts charakterisierte die Vereinsarbeit besser als diese Reitgruppe, die auch für einen gewissen Zusammenhalt innerhalb des nunmehr auseinandergedrifteten Vereins sorgte. Wo immer auch die LG-Reiter auftauchten, waren ihre Mitglieder von sportlichem Geist und praktizierter Fairness „besessen". Das verschaffte dem Berliner Naturell entsprechend der LG Reiten nicht nur Freunde, übertrieben gesprochen, wo die LGR auftrat, „brannte die Luft". Diese Atmosphäre war besonders deutlich in der Vierkampf-Gruppe zu spüren, gewannen die Vierkämpfer der LGR doch ein halbes Dutzend Wettkämpfe.  Klaus Dieck - er rief und alle kamen: v.L.: Nicole Uphoff-Becker, Klaus Balkenhol, Madeleine Winter-Schulze, Karin Rehbein Mit der Wende änderte sich das Turnier-Programm von Grund auf. Vorbei waren die Zeiten, als Frau Doris Hafemeister noch die Geldpreise stiftete, damit überhaupt ein S-Springen durchgeführt werden konnte. Anfang der 90er Jahre hatte Klaus Dieck, auch ein Mann der ersten Stunde, das Konzept ganz auf nationale Aspekte umgestellt. Ein Basis-Turnier war die Eröffnung der „Grünen Saison" nun nicht mehr. „Es wurde ein anderes Turnier", sagt Karl-Heinz Dietrich heute, der zehn Jahre in aktivster Weise zeitweise mit Gerhard Schröder zusammen die Turnierleitung ausübte. „Wir wollten als Westberliner Reiter unseren Spaß an diesem Turnier haben und den westdeutschen Reitern die Möglichkeit geben, bis M zu starten. Basisarbeit mit A und L war unser Ziel. Das war vorbei. Auch heute ist dies für Brandenburg-Berlin nicht der Fall."
Der damalige Sportwart und heutige Vereinsvorsitzende Klaus Dieck setzte voll auf die nationale Trumpf-Karte. Seine Zielsetzung ist nur durch seine dominante und vielschichtige Persönlichkeit erklärbar und erkennbar. Dieck, der sich auf der einen Seite im Verein als aktiver Reitwart für die Basis aufopferte und dies auch noch heute tut, ist auf der anderen Seite der speedige Solo-Turbo, um ein nationales Turnier der Sonderklasse aufzuziehen. „Ich mache das Turnier für die Reiter", ist sein Credo. Daß er damit einige bodenständige Leute verprellt, weiß er. Ist ihm aber egal. Trotzdem ist der umtriebige Turnier-Manager auch zu Konzessionen bereit, um „sein" Turnier ständig zu retuschieren. Beispiel: Mammut-Springen soll es nicht mehr geben. Nur noch zwei Pferde pro Reiter sind je Springen zugelassen. Denn zuschauerfreundlich war es bei über hundert Startern und mehr nicht.
Waren früher bis zum Fall der Mauer Geldspender gefragt, so ist dieser Begriff heute völlig out. Sponsoren regieren zwar noch nicht die „Eröffnung der Grünen Saison", aber ohne sie läuft nichts mehr. Und ein Sponsor spricht natürlich nur auf erstklassige „Ware" an. Vielleicht ist das auch mit ein Grund, dass die „Eröffnung der Grünen Saison" eine bundesweit ausstrahlende Veranstaltung geworden ist. „Die Sponsoren stehen bei uns Schlange", behauptetet Dieck. „Es läuft gut." Der seit vier Jahren installierte VIP-Bereich am Spring- und auch am Dressurplatz des Olympia-Reitstadions hält jeden Vergleich mit westdeutschen Highlight-Turnieren stand. Man muss allerdings konzedieren: Das Catering vom Hotel Intercontinental bringt den entscheidenden Pfiff in die Atmosphäre. Mit dem Jubiläums-Turnier beweist die LG Reiten, dass sie trotz aller Schwierigkeiten mit diesem Turnier für Berlin einen sportlichen Anziehungspunkt par excellance stets geboten hat und auch weiterhin präsentieren wird.  sechsmalige Vierkampf Mannschaftssieger Beckervordersandforth, Marsollek, Kosker, Stamm
Gerhard Schröder so erschienen in der "Reiten & Zucht" |